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Tippende Finger auf einem Laptop.

Digitale Arbeitswelt: Führungskräfte werden Dienstleister ihrer Teams

Die Institutionen aller Bereiche in Deutschland reagieren zu langsam die Digitalisierung und den durch sie erzeugten Wandel der Arbeitswelt.

Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft reagieren zu langsam auf den durch die Digitalisierung forcierten Wandel der Arbeitswelt. Der aber muss dringend klug gestaltet werden, denn sonst bestimmt die Technologie, welche Rolle und Rechte der Mensch im digitalen Arbeitszeitalter haben wird.

 Die Tugenden der neuen digitalen Arbeitswelt, wie Transparenz, Offenheit und die Skepsis gegenüber Hierarchien kollidieren mit den klassischen Strukturen in den Wissenschaftsorganisationen.

Für Thomas Sattelberger, Sprecher der Themenbotschafter der „Initiative Neue Qualität der Arbeit“ (INQA) gehen die neuen arbeitskulturellen Fragestellungen weit über das hinaus, was heute unter Sozialpartnerschaft und Unternehmenskultur subsumiert wird. Notwendig seien – so der renommierte Personalexperte:

  • eine Neuorganisation und -definition von Führung,
  • neue Konzepte mit transparenten Kommunikations- und Kollaborationsprozessen, die Meinungsfreiheit und direkte Demokratie verankern und die Mitarbeiter an der Optimierung von Arbeitsprozessen und der Gestaltung ihrer Arbeit aktiv beteiligen.

Sattelberger rät zu mehr Mut zum Experimentieren: „Wir müssen Prototypen für die neue Arbeitswelt bauen und in der Praxis testen.“ Doch die propagierten Tugenden der neuen digitalen Arbeitswelt, wie Transparenz, Offenheit und die Skepsis gegenüber Hierarchien kollidieren mit den klassischen Strukturen in der Arbeitswelt. Sie stellen Führungskräfte vor neue Herausforderungen, was ganz besonders auch für die Verantwortlichen in den oftmals noch sehr hierarchisch strukturierten Wissenschaftsorganisationen gilt. Die neue Philosophie der sich selbst organisierenden Teams stellt sie vor die Frage nach ihrer Identität als Führungskräfte.

„Die modernen Führungskräfte sollen nicht mehr Alphatier sein, sondern Coach und Dienstleister ihrer Teams und sie sollen vor allem gute Netzwerker sein“ – ermittelte das Institut für Führungskultur im digitalen Zeitalter (IFIDZ). Im Rahmen der Studie „Alpha Intelligence – Was Führungskräfte von morgen brauchen“, wurden 100 Führungskräfte der ersten und zweiten Ebene von Unternehmen befragt.

Vernetzungsintelligenz und empathisches Handeln werde immer mehr zu den entscheidenden Fähigkeiten für erfolgreiche Führung. „Nicht zuletzt befinden sich vor allem die Angehörigen der mittleren Führungsebene in einer Sandwich-Position zwischen den Kennzahlen und Zielvorgaben von oben und den neuen Ansprüchen ihrer Teams von unten.“, warnt Prof. Dr. Rainer Trinczek, Leiter des Lehrstuhls für Soziologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Eng damit verbunden sei die Veränderung der bislang funktionalen und stabilen beruflichen Entwicklungs- und Karrierewege. „Unternehmen suchen jetzt den agilen Mitarbeiter, der sich ständig weiterentwickelt, über den Tellerrand blickt, Verständnis für die Gesamtorganisation hat und seine Komfortzone verlässt“, so Politologin Anja Bultemeier. Rotation sei gefragt – zwischen Funktionen, Bereichen und Standorten.

 

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