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Wie wird eine Hospitation zum erfolgreichen Personalentwicklungsinstrument?

Talentierte Nachwuchskräfte lernen und erfahren bei Hospitationen wie ihre Kollegen in anderen Organisationen und Unternehmen arbeiten. Warum diese interkulturellen und übergreifenden Lernerfahrungen ein wichtiges Angebot der Helmholtz-Gemeinschaft für die Personalentwicklung sind, erklärt Dr. Nikolaus Blum.

Talentierte Nachwuchskräfte  lernen und erfahren bei Hospitationen, wie ihre Kollegen in anderen Organisationen und Unternehmen arbeiten. Warum diese interkulturellen und übergreifenden Lernerfahrungen ein wichtiges Angebot der Helmholtz-Gemeinschaft für die Personalentwicklung sind, erklärt im Interview Nikolaus Blum.

Nikolaus Blum ist Kaufmännischer Geschäftsführer am Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH). Von 2009 bis 2012 war er Vizepräsident der Helmholtz-Gemeinschaft.

Portrait von Dr. Nikolaus Blum
Nikolaus Blum

 

Herr Blum: Die Helmholtz-Gemeinschaft ermöglicht Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Helmholtz Zentren, durch eine Hospitation ihre beruflichen Kompetenzen auszubauen: Wofür lassen sich Hospitationen besonders gut einsetzen?

Das Hospitationsprogramm ist Bestandteil eines umfassenden Talentmanagements der Helmholtz-Zentren. Inhaltlich adressiert das Programm vor allem zwei Herausforderungen: den Kompetenzerwerb im Zusammenhang mit der Internationalisierung und die Zusammenarbeit mit Unternehmen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können lernen und erfahren, wie vergleichbare Abteilungen in anderen Unternehmen, insbesondere im Ausland, aufgestellt sind und arbeiten.

Was können Hospitationen im Rahmen einer  gut strukturierten Personalentwicklung leisten und was eher nicht?

Hospitationen vermitteln praktische Erfahrungen. Die Hospitanten lernen andere Kulturen und Organisationen kennen und erweitern ihren persönlichen Erfahrungshorizont und das Kontaktnetzwerk. Das sind Ergebnisse, die mit keiner theoretischen Lehrveranstaltung und keinem Kurztraining zu leisten sind. Natürlich können und sollen im Rahmen der Hospitation auch neue fachliche Kompetenzen erworben werden. Dies ist aber nicht der eigentliche Benefit. Eine Hospitation erweitert eben nicht nur die fachlichen Kompetenzen, sondern bietet einen ganz neuen persönlichen Erfahrungsbereich.

In welcher Phase der beruflichen Karriere ist eine Hospitation sinnvoll?

Das Hospitationsprogramm der Helmholtz Gemeinschaft richtet sich explizit an zwei Zielgruppen: an den Führungskräftenachwuchs und an erfahrene Experten. Für den Führungskräftenachwuchs bietet die Hospitation die Chance, über den Tellerrand der eigenen Einrichtung hinauszuschauen und internationale Erfahrung in Unternehmen der Privatwirtschaft zu sammeln. Für bereits etablierte Experten bietet das Hospitationsprogramm die Möglichkeit, nochmal aktuelles Fachwissen und moderne Anwendungspraxis in einen anderen Kontext kennenzulernen.

Die Experten sollen inhaltliche Anregungen erhalten, neue Wege in der Umsetzung zu gehen und diese gewinnbringend in die Helmholtz-Zentren einbringen.

Welche Kernelemente sollte ein Hospitations-Programm mindestens aufweisen, damit es wirkungsvoll ist?

Ein Hospitationsaufenthalt sollte sechs bis zwölf Monate dauern. Kernbestandteil muss sein, dass die entsandten Mitarbeiter aktiv in die Arbeit der aufnehmenden Einrichtung eingebunden werden und dort eine konkrete Funktion mit operativer Verantwortung übernehmen. Nur dann ist gewährleistet, dass die entsprechenden interkulturellen und übergreifenden Lernerfahrungen auch gemacht werden. Es reicht nicht aus, den verantwortlichen Mitarbeitern vor Ort „über die Schulter zu schauen“.

Welche begleitenden Maßnahmen sind für ein Hospitationsprogramm notwendig? 

Der Aufenthalt im Rahmen eines Hospitationsprogrammes sollte gut vorbereitet sein. Das heißt, es muss eine klare Zielsetzung geben, was mit dem Aufenthalt erreicht werden soll und wie diese erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten in das entsendende Helmholtz-Zentrum zurückfließen. Gegebenenfalls kann der Aufenthalt auch durch Vorbereitungskurse unterstützt werden.

Wichtig für das entsendende Helmholtz-Zentrum ist, dass nach der Rückkehr ein Wissenstransfer in das Zentrum stattfindet. Auch sollte ein Entwicklungsplan für die teilnehmenden Mitarbeiter vorliegen.

Welche Rolle spielt das Personalentwicklungsinstrument „Hospitation“ im Rahmen der strategischen Personalentwicklung beim Helmholtz Zentrum München?

Aus dem Helmholtz Zentrum München haben mittlerweile zwei Mitarbeiterinnen am Hospitationsprogramm teilgenommen. Ich wünsche mir, dass es noch mehr werden. Es gibt noch eine größere Zahl von Interessenten. Im Einzelfall muss das Hospitationsgramm sowohl zu den aktuellen beruflichen Tätigkeiten, als auch zu den persönlichen Rahmenumständen des Interessenten passen. In der Praxis zeigt sich zudem, dass es nicht ganz einfach ist, aufnehmende Wissenschaftseinrichtungen in anderen Ländern zu finden. Hier suchen wir derzeit nach Partnern, die dauerhaft für einen Austausch in administrativen und wissenschaftlich-technischen Bereichen zur Verfügung stehen.

Auch in Wissenschaft und Forschung führen Globalisierung und Digitalisierung zu neuen (internationalen) Arbeits- und Kooperationsformen: Sind Hospitationen eine Möglichkeit, diesem rasanten Wandel zu begegnen?

Auch der wissenschaftliche Bereich entwickelt sich mit großer Geschwindigkeit. Die Vernetzung wird immer enger und es entstehen neue Formen der Zusammenarbeit. Der internationale Austausch und die grenzüberschreitenden Kooperationen sind im Wissenschaftsbereich aber von Natur aus angelegt. Für den wissenschaftlichen Nachwuchs ist es selbstverständlich, dass Teile der Ausbildung und der wissenschaftlichen Karriere im Ausland zurücklegt werden. Von daher sehe ich kein Defizit an Mobilitätsmöglichkeiten und Fördermaßnahmen im Wissenschaftsbereich.

 

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