Helmholtz & Friends

Gruppendiskussion

„Im Zentrum der Organisation steht immer der Mensch.“ Führungskulturen.

Rund 50 Nachwuchsführungskräfte aus Wissenschaftsmanagement und Forschung in der Helmholtz-Gemeinschaft nutzten am 26. September 2016 in Berlin die Gelegenheit zum Austausch mit Spitzenkräften von Bosch, Bayer, IBM und der Bundeswehr über mögliche Karrierewege und Organisationskulturen. Dabei zeigte sich: der Wandel geht nicht so schnell, wie ihn viele herbeiwünschen.

Führungskulturen. Wissenschaft im Austausch mit Führungskräften aus der Initiative „Chefsache“.

Führungskräfte aller Arbeitsfelder heute wissen: wenn sie exzellenten Nachwuchs für ihre Organisation gewinnen und halten wollen, ist eine als attraktiv bewertete Organisationskultur einer der zentralen Faktoren. Doch was genau macht heute eine „gute“ Organisationskultur aus?

Vortrag vor Plenum
Input von Martina Schraudner zum Thema Moderne Organisationskultur. Foto: David Marschalsky

Im Rahmen der Abendveranstaltung von Helmholtz & Friends eröffneten hochrangige Entscheidungsträger/innen aus drei führenden Wirtschaftsunternehmen (Robert Bosch GmbH, Bayer Pharma AG, IBM) sowie der Bundeswehr den anwesenden rund 50 Nachwuchsforschern/innen und Führungskräften aus der Wissenschaft Einblicke in ihre Arbeitswelten. Nach einer kurzen, sehr persönlichen Selbstvorstellung der Unternehmensvertreter/innen ging es in vier Runden Gruppendiskussionen. Dabei wurden vorwiegend Fragen des Führungsstils, der Arbeitsbedingungen und der Karrierechancen angesprochen. Wie kann eine Führungskraft Präsenz demonstrieren wenn sie für ein internationales und auf zahlreiche Standorte verteiltes Team verantwortlich ist? Wie verändert sich das Verhältnis von Privatleben und Beruf, wenn die Arbeit nicht mehr quantitativ nach der Zeit, sondern rein qualitativ, nach Zielerfüllung, gemessen wird? Und wie setzt man Diversity tatsächlich in den höchsten Führungsebenen um?

Die Gäste aus dem Spitzenmanagement betonten die progressive Modernisierung ihrer Organisationen, die Flexibilisierung der Arbeitsbedingungen und Förderung familienfreundlicher Angebote wie Teilzeit und Homeoffice. Den individuellen Menschen so zu führen, wie er/sie dies brauche, sei, so eine Unternehmensvertreterin, der zentrale Schlüssel zum Verständnis von Führung. In diesem Sinne sucht zeitgemäßes Talentmanagement nicht mehr nach den vermeintlich objektiv „Besten“, die dann den Erfolg des Unternehmens garantieren sollen. Hingegen gelte es, die Organisation so flexibel zu halten, dass der/die einzelne Mitarbeiter/in den optimalen Platz für sich finden könne.

Das klingt viel versprechend, vor allem in den Ohren von Nachwuchswissenschaftler/innen und Wissenschaftsmanager/innen, die oft darüber klagen, von ihren Institutionen nicht genug geschätzt zu werden und sich in generell wenig flexiblen Arbeitszeitmodellen zu bewegen. Darum hakten sie in den Gruppendiskussionen ganz genau nach – und so wurde punktuell deutlich, dass der Wandel eben doch langsamer vorangeht als viele es sich wünschen. Blickt man auf die höchste Führungsspitze vieler Unternehmen, so finden sich hier doch eben kaum Teilzeittätige. Dass die Verwischung der Grenzen zwischen Privatem und Arbeit auch zu Lasten des Erstgenannten gehen kann, geht im Flexibilisierungsjubel manchmal unter. Und sucht man Frauen in Spitzenpositionen, braucht man nach wie vor eine Lupe. Das gilt für Wissenschaft, Wirtschaft und Bundeswehr gleichermaßen.

Veranstaltungsgäste Sprechen vorm Plenum
Vertreter/innen der Unternehmen und der Bundeswehr bei der Abschlussrunde im Plenum. Foto: David Marschalsky

Umso erfreulicher das hohe Engagement und die freundliche Offenheit, mit der die Vertreter/innen der Initiative Chefsache in den Gesprächen Auskunft gaben. Chefsache ist eine Bundesinitiative unter der Schirmherrschaft von Angela Merkel, ein Netzwerk von Führungskräften aus Wirtschaft, Wissenschaft, öffentlichem Sektor und Medien, die sich den Wandel der Organisationskultur auf die Fahnen geschrieben hat. Der Austausch zwischen Wirtschaft, Bundeswehr und Wissenschaft hat sich an diesem Abend sehr angeregt gestaltet und wir fortgesetzt werden.

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