Helmholtz & Friends


Keine Angst vor Großprojekten

Große Projekte scheitern häufig an fehlender Kommunikation. Das wussten auch Michael Bousonville und Frank Eints, als sie die Leitung der Installation des neuen XFEL-Lasers übernahmen. Innovativ entwickelten Sie eine Methode, mit der jederzeit für alle Mitarbeiter der Arbeitspakete ersichtlich war, auf welchem Stand der Einbau ist.

Michael Bousonville im XFEL-Tunnel. Foto: Privat.
Michael Bousonville im XFEL-Tunnel. Foto: Privat.

Michael Bousonville ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Gruppe MHF-p (Maschinen-Hochfrequenz-Protonen) beim DESY (Deutsche Elektronen-Synchrotron) in Hamburg. Seine Karriere bei Helmholtz startete er 2005 mit seiner Promotion am GSI Helmholtz-Zentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt. Von dort ging er 2010 ans DESY, wo er die Leitung einer wichtigen Entwicklungsaufgabe im Rahmen eines XFEL-Arbeitspakets übernahm. 2014 wechselte der Ingenieur zu seiner jetzigen Gruppe MHF-p und unterstützt seit Mitte 2015 gemeinsam mit Frank Eints die Installation des XFEL-Hauptbeschleunigers in Hamburg durch Prozessmanagement.

Talent und Fachkenntnisse alleine reichen nicht aus, um Großprojekte zu leiten. Erfahrung und der Erwerb von ausgefeilten Managementmethoden sind vonnöten, um komplexe Vorgänge zu durchschauen, zu koordinieren, mögliche Schwachstellen aufzuspüren und zu korrigieren – so die Erfahrungen von Michael Bousonville beim XFEL-Großprojekt.

Das europäische Großprojekt, an dessen Aufbau Michael Bousonville beteiligt ist, ist der Traum eines jeden Ingenieurs: Mit dem European XFEL (X-ray free-electron laser) wird ein neues Kapitel in der Röntgentechnik aufgeschlagen: Der Ende 2016 in Hamburg in Betrieb gehende XFEL erzeugt ultrakurze Laserlichtblitze im Röntgenbereich – 27 000 mal in der Sekunde und mit einer Leuchtstärke, die milliardenfach höher ist als die der besten Röntgenstrahlungsquellen herkömmlicher Art. Die Anlage wird in der wissenschaftlichen und industriellen Anwendung ganz neue Forschungsmöglichkeiten eröffnen. Denn mit der 3,4 Kilometer langen Anlage entsteht auch ein Forschungscampus, auf dem internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Röntgenblitzen experimentieren werden. DESY ist Hauptgesellschafter und hat die Verantwortung  für Bau und Betrieb der Beschleunigeranlage übernommen. Viele der entwickelten und jetzt eingebauten Komponenten stammen von DESY. Hinzu kommen wesentliche Beiträge von internationalen Partnern. Die Aufgabe des Elektrotechnikers Michael Bousonville bei diesem Projekt der Superlative besteht darin, gemeinsam mit seinem Kollegen Frank Eints die Installation des XFEL-Hauptbeschleunigers durch geeignetes Prozessmanagement zu unterstützen.

Mit neuen Ideen als Führungskraft überzeugen

Schon während seines Studiums interessierte sich Michael Bousonville für die Simulation von Elektromagnetischen Feldern und beschäftigte sich mit der Elektron Gun – einer Elektronen-Kanone, die auch im XFEL eingesetzt wird. Im Rahmen seiner Promotion entwickelte er ein System, mit dem Prozesse in Teilchenbeschleunigern mit einer Genauigkeit von circa 20 ps (eine Picosekunde ist das Millionste einer millionsten Sekunde) gesteuert werden können. Vom DESY wurde er 2010 als Projektleiter angeworben, um ein Synchronisationssystem für den XFEL zu realisieren. 2014 wechselte er zur MHF-p Gruppe.
Als Anfang 2015 die Einbauarbeiten im XFEL-Tunnel beschleunigt werden sollten, boten  Michael Bousonville und sein Kollegen Frank Eints an, hier Methoden des Prozessmanagements einzusetzen. Dank ihrer durch mehrere Weiterbildungen und in der Praxis erworbenen Kenntnisse im Projektmanagement konnten sie eine neue Planungsmethode für das Installationsmanagement des XFEL-Hauptbeschleunigers entwickeln und übernahmen die operative Führung für das Installationsmanagement im 2 km langen XFEL Tunnel.

Arbeiten in großen Teams meistern

Die Arbeit im Tunnel ist in Arbeitspakete aufgeteilt. Ein Arbeitspaket besteht aus Wissenschaftlern, Ingenieuren und Technikern aus den DESY-Fachgruppen. Geleitet werden diese hochspezialisierten Fachkräfte von Arbeitspaketleitern, die den Einsatz der Fachkräfte und die Durchführung der Arbeitspakete leiten und organisieren. Die jeweiligen Arbeitsschritte müssen eng aufeinander abgestimmt werden. So werden zum Beispiel im Arbeitspaket „Tunnel Installation“ schwere Beschleunigerkomponenten im Tunnel aufgestellt, die von den Spezialisten des Arbeitspaketes „Survey & Alignment“ genau ausgerichtet werden, anschließend von den Fachkräften des Arbeitspakets „Accelerator Modules“ zusammengeschweißt und mit Hilfe des Arbeitspakets „Cold Vacuum“ vakuumdicht geschlossen werden.

Zu den Aufgaben von Michael Bousonville und Frank Eints gehört es, den Ablauf dieser Aktivitäten zu kontrollieren und zu koordinieren und mögliche Gegenmaßnahmen einzuleiten, wenn die Gefahr droht, dass die Installation ins Stocken geraten könnte.
Eine so große Installation hatten weder Michael Bousonville noch sein Kollege Frank Eints zuvor gemanaged. Aber: „Mein beruflicher Werdegang hat mich perfekt auf diese Aufgabe vorbereitet“, berichtet Michael Bousonville. Man müsse bei so einem Job sowohl mit promovierten Physikern als auch mit Ingenieuren, Facharbeitern und Hilfskräften zielführend kommunizieren können. Darin habe er während seiner beruflichen Laufbahn in vielen unterschiedlichen Unternehmen und Bereichen Erfahrungen gesammelt. Zudem habe er nicht nur gelernt, technische Systeme zu entwerfen und zu realisieren, sondern auch eigene Ideen überzeugend zu vertreten. Bousonville professionalisierte zusätzlich seine Managementkompetenzen mit Fortbildungsseminaren beim VDE (Verband der Elektrotechnik)  sowie in der Helmholtz-Akademie für Führungskräfte.
Dieses Know-How kann er heute konsequent nutzen, um dem komplexen Projekt zu Erfolgen zu verhelfen. Der Installationsplan, den er gemeinsam mit seinem Kollegen entwickelt hat, ermöglicht heute ein sehr viel höheres Installationstempo.

Erfolgreiches Projektmanagement geht nur miteinander

Michael Bousonville und Frank Eints hatten herausgefunden, dass bei solch hochkomplexen Projekten die Arbeitsgruppen meist damit ausgelastet sind, ihren fachspezifischen Beitrag zu liefern. Dies hatte zur Folge, dass sich die Abstimmungsprozesse zwischen den verschiedenen Arbeitspaketleiter oft nur auf die Fertigung der Beschleunigerkomponenten beschränkten. „Die ursprüngliche Annahme, dass sich die einzelnen Schritte in der Abfolge einfach logisch ergeben würden, funktionierte so nicht. Die Verzahnung vieler einzelner Schritte war hierfür einfach zu kompliziert.“, erinnert sich Michael Bousonville. Als Konsequenz daraus übernahmen er und sein Kollege Eints mit ihrem Installationsmanagement diese wichtige Aufgabe: seitdem koordinieren sie die Interaktion der Arbeitsgruppen und vermitteln bei Konflikten. Klare Absprachen regeln die Installationsabläufe.

„Das A und O für ein erfolgreiches Management solcher Installationen ist ein kooperativer Ansatz, den die beteiligten Mitarbeiter dann auch eher akzeptieren“ – so Bousonville. Die Arbeitspaketleiter werden bei der Ablaufplan-Entwicklung voll einbezogen. Bei den gemeinsamen Besprechungen werden Abhängigkeiten zwischen den Arbeitspaketen erklärt und visualisiert. Der daraus entstehende Prozessplan beruht auf einem Konsens aller beteiligten Arbeitsgruppen. Die anschließende Planungsarbeit wird vom Installationsmanagement durchgeführt. Bousonville sieht in der Einbindung der Arbeitsgruppenleiter zwei wesentliche Vorteile: Zum einen erhalten die Planer so die maximal mögliche Informationsdichte über die gegenseitigen Abhängigkeiten von Installationsschritten der verschiedenen Gruppen, zum anderen wächst das Verständnis der Arbeitspaketleiter füreinander. Die beteiligten Wissenschaftler/innen wollen die Abläufe richtig verstehen und diskutieren. „Es ist sehr wichtig, dass alle Mitarbeiter den Installationsplan akzeptieren und davon überzeugt sind, dass er auch funktioniert. Denn sonst ist eine Planeinhaltung eher unwahrscheinlich“, weiß Michael Bousonville.

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