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Nicht ganz überraschend

Dass Selbst- und Fremdwahrnehmung nicht immer ganz decken, ist keine große Überraschung. Wie stark unterschiedlich diese jedoch im Fall von Managern und Managerinnen sein können und welche Rolle das Umfeld spielt, zeigen die Umfragen von Forsa, Gallup, Comteam und Zenger Folkman.

Selbst- und Fremdwahrnehmung klaffen bei einer großen Zahl der Führungskräfte in Deutschland deutlich auseinander. Während sich einer Umfrage zufolge 95% (!) der Manager und Managerinnen für eine gute und weithin akzeptierte Führungskraft halten, sind 85% (!) der Angestellten in Deutschland einer anderen Umfrage zufolge unzufrieden mit ihrem Job, wobei als wesentlicher Grund vermeintlich schlechte Vorgesetzte angeführt werden.

Ursachen für das offensichtlich verzerrte Selbstbild bei Führungskräften gibt es einige. Zum einen ist wohl eine gewisse charakterliche Disposition, sprich: hohe Selbstsicherheit und positive Wahrnehmung der eigenen Person, sehr hilfreich, um überhaupt auf der Karriereleiter hochzuklettern. Ergo kommen „oben“ überdurchschnittlich viele Menschen an, die bereits von der Persönlichkeit her eher robust sind. Diese bereits vorhandene Neigung, sich selbst wenig kritisch zu sehen, wird dann zum Zweiten oftmals in einer Führungsposition noch verstärkt. Denn sie schützt vor potentiellen Anfeindungen, die, natürlich, mit der wachsenden Verantwortung auch zunehmen. Zum Dritten ist es leider so, dass Menschen ab einer gewissen Karrierestufe immer weniger kritisch gespiegelt werden. Jeder kennt diese unproduktiven Runden von Highranks, in denen alle vor sich hinmonologisieren, ohne dass mal jemand auf den Tisch haut und ein Einhalten der Tagesordnung einfordert. Und wie wenige Menschen trauen sich, noch offen mit jenen zu sprechen, von denen sie ökonomisch abhängig sind?
An dieser Stelle sind aber alle gefragt: jeder Mensch kann nur so wenig selbstkritisch sein, wie sein Umfeld ihm dies erlaubt. Das gilt auch für Vorgesetzte.

Link zur Umfrage: Selbstwahrnehmung von Führungskräften

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