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Podiumsdiskussion: Gibt es ein Leben nach dem Postdoc?

Am 22. März 2016 diskutierten Vetreter/innen der Postdoc-Vereinigung des HZB mit ihren Gästen Tim Schulze, Daniel Lockau, Moritz Schlegel und Anne Simo über Karriereaussichten von Postdocs: Wie geht es weiter in der Wissenschaft und was bieten andere Arbeitsbereiche wie industrie oder Wissenschaftsmanagement? Ein Bericht von Antonia Rötger, HZB

Wer promoviert und anschließend einen Postdoc macht, weiß in der Regel sehr gut, welche Hürden für eine wissenschaftliche Karriere zu nehmen sind. Doch ob nach einer Reihe von Postdoc-Aufenthalten eine Stelle mit Perspektive an einer Universität oder einem Forschungszentrum frei ist, das ist alles andere als sicher. Noch dazu, wenn man eben nicht mehr völlig mobil ist, weil man zum Beispiel schon Familie hat. Doch welche Chancen haben Postdocs außerhalb der akademischen Forschung? Zu diesem Thema hat die Postdoc-Vereinigung am HZB am 22. März 2016 im BESSY-Hörsaal eine Podiums-Diskussion organisiert, die sehr gut besucht war.

Eingeladene Podiumsgäste waren Tim Schulze, Daniel Lockau, Moritz Schlegel und Anne Simo. Anne Simo ist gleich nach ihrer Promotion an der Humboldt-Universität zu Berlin in die Industrieforschung gewechselt und hat keinen Postdoc angehängt. Industrieforschung sei anders, sagt sie, man müsse die Dinge zum Funktionieren bringen, dabei die Kosten immer mitdenken. Die drei anderen Podiumsgäste waren dagegen am HZB als Postdoktoranden tätig. Jetzt arbeitet Daniel Lockau als Experte für Data Mining in einem Startup-Unternehmen, Tim Schulze und Moritz Schlegel arbeiten in zwei unterschiedlichen Unternehmen als wissenschaftliche Berater im Themenbereich Elektromobilität und Energie. Sie finden die politischen Aspekte ihrer jetzigen Tätigkeit sehr motivierend.

Eine Postdoc-Zeit sei eigentlich nur dann sinnvoll, wenn man eine wissenschaftliche Karriere anstrebt, sagten gleich zwei Podiumsgäste. Denn das Expertenwissen auf dem eigenen Forschungsfeld wird eben nur dort benötigt, in anderen Bereichen ist man dagegen Anfänger.  Es ist daher umso wichtiger, dass man während der Postdoc-Zeit Verantwortung übernehmen kann und zum Beispiel Erfahrungen im Projektmanagement erwirbt. Einfach nur einen Postdoc zu machen, weil man nach der Promotion so gut im Thema drin ist, ist also eigentlich keine gute Idee.

Die beiden Moderatoren von der Postdoc-Vereinigung, Klaus Jäger und Xenia Erler, führten durch den Abend und fragten zum Beispiel auch nach Tipps für die Bewerbung. Zum Beispiel müsse man gut begründen, warum man nun die Wissenschaft verlassen wolle, meinte Tim Schulze. Schlechte Karriereaussichten zu nennen, reicht da nicht aus. Daniel Lockau riet, bei der Bewerbung die Perspektive zu wechseln und die eigenen Fähigkeiten aus der Brille des Arbeitsgebers zu betrachten. Denn das ist oft nicht einfach: Als Wissenschaftlerin oder Wissenschaftler ist man zwar auf die wissenschaftlichen Leistungen besonders stolz, aber wenn der künftige Arbeitgeber an ganz anderen Talenten interessiert ist, kann es sinnvoll sein, die wissenschaftlichen Erfolge summarisch abzuhandeln und andere Fähigkeiten (Projektmanagement, Kooperationen, Erfahrungen in der Industrie) etwas ausführlicher darzustellen. Zu Arbeitszeiten und „Work-Life“-Balance gefragt, äußerten sich alle Podiumsgäste ziemlich zufrieden. Eigentlich sei es viel besser als in der stressigen Postdoc-Zeit, wo man oft erst nach dem eigentlichen Arbeitstag dazu komme, die eigene wissenschaftliche Arbeit voranzutreiben, sagte einer. Später konnte man noch in kleineren Grüppchen bei Baguette, Käse und Getränken weitere Fragen besprechen und Erfahrungen austauschen. Die Postdocs, Doktorandinnen und Doktoranden am HZB haben sicher viele Anregungen mitgenommen. Vor allem: Ja, es gibt ein Leben außerhalb der Wissenschaft und es kann gut sein!

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