Helmholtz & Friends


Warum die Wissenschaft gute Wissenschaftsmanager braucht

André Lottmann (Stiftung Charité) hat sich bewusst für das Wissenschaftsmanagement entschieden. Hier schreibt er, was aus seiner Sicht einen guten Wissenschaftsmanager ausmacht und warum Wissenschaft gutes Management heute mehr denn je braucht.

Wie bin ich Wissenschaftsmanager geworden?

Als ich vor gut sieben Jahren in den Bereich eingestiegen bin, sprach man noch deutlich weniger selbstverständlich von „Wissenschaftsmanagern“. Das hat sich – zumindest bei mir – erst in letzter Zeit entwickelt. Die Entscheidung aber, einen Beruf zwischen Wissenschaft und Administration zu wählen, habe ich noch während meiner Promotionszeit sehr bewusst getroffen. Ausschlaggebend dafür waren im Grunde zwei Dinge: Zum einen die Erfahrung, dass sich im deutschen Wissenschaftssystem nicht unbedingt diejenigen durchsetzen, die besonders erfinderisch, mutig und leistungsstark sind, sondern häufig nur die Geduldigsten. Zumindest ist es in den Disziplinen, die ich näher kennen gelernt habe, häufig so. Zum anderen das Gefühl, dass dieser Zustand nicht so bleiben durfte. Glücklicherweise boten hier die wissenschaftspolitischen Veränderungen in den letzten Jahren, nicht zuletzt die Exzellenzinitiative, Raum für Neuerungen. „Veränderer“ und Manager/innen waren auf einmal gefragt.

Warum ist Wissenschaft ohne gutes Wissenschaftsmanagement undenkbar?

Vernünftige Karrieremodelle zu entwickeln und mit einer guten Personalpolitik zu beleben, gehört zu den Aufgaben, die Hochschulen und natürlich auch außeruniversitäre Forschungseinrichtungen heute mehr denn je erfüllen müssen. In den letzten zehn bis fünfzehn Jahren ist aber noch eine ganze Reihe von weiteren Anforderungen hinzugekommen: Einerseits sind die Wissenschaftseinrichtungen deutlich selbstständiger gegenüber dem Staat geworden. Darum müssen sie folglich eigene Ziele und Schwerpunkte definieren, ihre Organisation und Arbeitsprozesse an diesen Zielen und Schwerpunkten ausrichten, sich weit mehr als in der Vergangenheit um begrenzte finanzielle Mittel bemühen, in ihrem Umfeld die richtigen Kooperationen und auch Konkurrenzverhältnisse eingehen usw. Andererseits müssen sich die Akteure im Wissenschaftssystem in steigendem Maß gesellschaftlich für ihr Tun verantworten. Nie war es wichtiger, dass das Geleistete in die breite Öffentlichkeit hineingetragen wird, dass es messbar und auch in seiner Qualität überprüfbar ist und dass es einen praktischen Nutzen entfaltet.

Wissenschaftsmanagerinnen und -manager sind genau in diesen neuen Anforderungsbereichen aktiv. Die klassische Verwaltung kann sie nicht abdecken. Und Wissenschaftler/innen sollen sich diesen Aufgaben nicht stellen, da sie anderenfalls keine Zeit mehr für ihr Kerngeschäft hätten. Es ist elementar für das Gesamtsystem, dass Wissenschaftler sich in ihren Teams und in ihrem Fachumfeld auf Forschung und Lehre konzentrieren können. Strategie- und Organisationsentwicklung, Geschäftsführung von bestimmten Einheiten, Betrieb von Infrastrukturen, Wissenschaftskommunikation, Wissens- und Technologietransfer, Qualitätsmanagement, Finanzcontrolling und Drittmittelmanagement – dafür braucht es heute Wissenschaftsmanager/innen.

Was zeichnet eine/n gute/n Wissenschaftsmanager/in aus?

Am wichtigsten ist vermutlich das professionelle Selbstbekenntnis: Wissenschaftsmanager und -managerinnen arbeiten nicht in der, sondern für die Wissenschaft. Dafür müssen sie das Wissenschaftssystem im Großen und Kleinen kennen. Selbst einmal wissenschaftlich gearbeitet zu haben, ist häufig sinnvoll – im Rahmen einer Promotion etwa. Wissenschaftsmanager brauchen dann aber eher operatives Fachwissen, wirtschaftlichkeitsorientiertes Denken und schließlich auch Führungskompetenz. Hier hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Wertvolle Weiterbildungsangebote für Wissenschaftsmanager/innen sind entstanden. Allerdings ist die Professionalisierung damit noch keinesfalls am Ende angekommen. Bisher wechseln Wissenschaftsmanager/innen nur sehr selten zwischen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, zwischen Wissenschaft, Förderern und politischen Akteuren, zwischen öffentlichem Wissenschaftssystem und privatwirtschaftlicher Forschung und Entwicklung. Hier brauchen wir unbedingt mehr Durchlässigkeit zwischen den Sektoren. Wechsel würden sicher viel Kreativität freisetzen. Im Umkehrschluss sollte Wissenschaftsmanagern noch mehr Vertrauen geschenkt werden, und es müssen ihnen in ihren Organisationen auch bessere Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten geboten werden.

Was waren die für meine Laufbahn wichtigsten Lernerlebnisse während des Besuchs der Helmholtz-Akademie?

Die Helmholtz-Akademie gehört in Deutschland sicherlich zu den führenden Weiterbildungsanbietern für Wissenschaftsmanager. Ich selbst habe besonders profitiert von dem vermittelten Fachwissen, dem persönlichen Austausch, dem Mentoring und auch der Möglichkeit, sein eigenes Arbeiten einmal systematisch zu reflektieren. Am nachhaltigsten für mich war aber möglicherweise die so simple wie fundamentale Einsicht, dass gutes Management in der Wissenschaft – vermutlich auch überall sonst – immer Sinnstiftung bedeutet. Es geht nicht darum, Aufgaben verwaltungsgetreu abzuarbeiten oder einen vorgegebenen Zweck zu erfüllen. Es geht auch nicht darum, tolle Ideen nur im stillen Kämmerlein zu kreieren. Es geht darum, vernünftige Ziele allererst zu schaffen und ihnen dann konsequent nachzugehen – mit anderen und für andere.

Mit Christian Hochmuth und Anne-Dörte Balks hat André Lottmann im Rahmen des Netzwerks Wissenschaftsmanagement kürzlich das Memorandum „Zur Professionalisierung des Wissenschaftsmanagements im Dienste eines zukunftsfähigen Wissenschaftssystems“ verfasst.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.