Köpfe

Ein beschriebenes Flipchart aus dem Open Space beim H + F Leadership Lab

Wie Wissenschaft und Technologietransfer zusammen gehören

Na klar will jeder Innovation! Auch Transfer wird in den letzten Jahren in der Wissenschaft ganz groß geschrieben. Doch tun die Institutionen wirklich alles, um ein innovationsfreundliches Klima zu schaffen und Kooperationen mit Akteuren außerhalb der Wissenschaft zu förden? Oder steht man als jemand, der sich für Neues interessiert, nicht manchmal doch etwas auf verlorenem Posten?

Warum bin ich Wissenschaftler geworden?

Aus Neugier, Liebe zur Natur und vielleicht auch aus etwas Blauäugigkeit. Pflanzen und Tiere haben mich immer fasziniert, weil sie einerseits wunderschön (naja, nicht immer, siehe Warzenschweine), aber auch rätselhaft und echte Überlebenskünstler sind. Ich hatte natürlich noch andere Berufsziele, Arzt zum Beispiel, Architekt, Förster, Archäologe oder Schriftsteller. Ich habe dann Biologie studiert, weil ich mir damit viele Wege offenhalten konnte. Ich hatte auch die Hoffnung, als Wissenschaftler eine Arbeit ausüben zu können, die einen Nutzen für die Gesellschaft hat.

Was zeichnet eine/n gute/n Wissenschaftler/in aus?

Auf diese Frage gibt es vielleicht so viele Antworten wie Wissenschaftler/innen. Ich finde, Wissenschaftler sollten vor allem sehr neugierig sein, und Fragen entwickeln/Hypothesen aufstellen können, die die Wissenschaft wirklich weiter bringen. Das heißt, ein guter Wissenschaftler muss lesen, verstehen, denken, diskutieren. Er muss mutig sein, Risiken eingehen und Rückschläge und mühsame Phasen aushalten. Fleiß, methodische Kompetenz und ein bisschen Intelligenz schaden sicher auch nicht. Und ganz wichtig: ein guter Wissenschaftler hat in der Regel ein gutes Umfeld! Um wirklich innovativ und produktiv sein zu können, muss es möglich sein, sich ganz in ein Thema zu vertiefen. Dazu gehören u.a. Freiräume, eine passende Ausstattung, und sowohl fachliche Nähe als auch Diversität unter den Kolleginnen und Kollegen. Wissenschaftliche Institutionen, die eine solche Kultur schaffen, haben auch gutes wissenschaftliches Personal.

Wie verstehe ich mich als Forscher?

Manchmal sehne ich mich nach so etwas wie der „reinen“ Forschung! Der Schritt in die Anwendung ergibt sich bei meinem Forschungsthema aber fast zwangsläufig: Wenn man sieht, dass so ästhetische Objekte wie die Kieselalgen überragende technische Eigenschaften als stabile Leichtbaukonstruktionen besitzen, dann fragt man sich zwangsläufig: Warum sehen technische Bauteile nicht so aus? Oder auch: warum sind technische Lösungen nicht so leistungsfähig?

Wie würde die Welt aussehen, wenn Autos, Flugzeuge, Brücken und Häuser so schön und effektiv gebaut wären, wie die Natur das macht?

Voraussetzung für den Weg zur anwendungsorientierten Forschung war für mich, dass in dem Bereich, in dem ich arbeite, eine Übertragung zwar anspruchsvoll, aber trotzdem in einem vernünftigen Zeitraum realisierbar ist.

Auch wenn ich einen beschwerlichen Weg gehe – was treibt mich an?

Ich habe mich entschieden, Technologietransfer zu betreiben, weil die Potenziale für eine Anwendung technischer Prinzipien aus der Biologie (diese Forschungsrichtung nennt man Bionik oder Biomimetics) extrem hoch und offensichtlich sind. Man kann sich oft sehr konkret vorstellen, wo eine Verwertung sinnvoll ist.  Allerdings ist gerade das auch gefährlich: Trotz dieser Anschaulichkeit ist der Weg bis zum konkurrenzfähigen, also technische überlegenen und wirtschaftlich tragbaren Produkt sehr anspruchsvoll und langwierig. Ich habe noch den Kommentar eines hochrangigen Ingenieurs im Ohr, der sich erst kürzlich negativ, fast schon abfällig dazu äußerte, dass nicht mehr Innovationen in diesem Bereich entstehen. Genau das treibt mich an, weil ich sicher bin, dass das Thema, auch international, ein wichtiger Innovationstreiber werden wird, auf den man nicht verzichten kann. Nicht die Bionik als Forschungsbereich ist problematisch, sondern die naive Erwartung, dass man mit den wenigen Forschern, die ernsthaft in der Bionik arbeiten, die bestehenden, sehr lang und mit unvergleichlich höherem Aufwand entwickelten Technologien revolutionieren müsse. Am Beispiel der Bionik sieht man, wie wichtig ein strategisch gut organisierter und klar kommunizierter Technologietransfer aus der Grundlagenforschung ist.

Sollten sich die Wissenschaftsorganisationen mehr um Schnittstellen in die „äußere“ Welt kümmern?

Falls wir wirklich an einer erheblichen Stärkung des Technologietransfers interessiert sind: ja, unbedingt! Wir sollten dafür auch andere Karriere-Modelle ermöglichen, die erheblich vom üblichen Schema abweichen. Auch neue Wege, die einen intensiven Austausch bzw. Wechsel zwischen Forschung und Industrie ermöglichen, müssen weiter ausgebaut werden.

Es gibt zwar schon hervorragende Institute, die, wie z.B. die Fraunhofer-Institute, reine Anwendungsforschung betreiben. Zahlreiche Erkenntnisse, die ein besonders hohes Potenzial für disruptive Innovationen in der Technik haben, entstehen aber gerade in der Grundlagenforschung. Hier haben die Institute der Helmholtz-Gemeinschaft wahrscheinlich das größte Potenzial unter den Forschungseinrichtungen, weil sowohl hochwertige Grundlagenforschung als auch Technologietransfer in der Mission verankert sind. Es hat sich in den letzten Jahren hinsichtlich der Schaffung neuer Schnittstellen zwischen Forschung und Industrie/ Gesellschaft eine Menge getan. Es ist aber noch viel mehr möglich, wenn das Thema weiterhin strategisch ausgebaut wird.

 

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